HOLIDAYS i. KAMPODIA

Samstag, 24. November 2007

Holidays in Kampodia

Okay! "Holidays in Kampodia" ist ein absolut trivialer, absolut gefühlsduseliger, absolut unmöglicher und irgendwie märchenhafter Roman. Na und?
Das hier ist ein Ausschnitt aus Kapitel V, der Rest befindet sich auf meiner HOMEPAGE


KAPITEL V - Teil 1 GEWITTER
Es geschah nicht oft, dass Daddy Archibald seine Tochter schockte, aber diesmal schaffte er es. Er war nämlich sauer auf Andromeda wegen der Schadensersatzklage, die ihm der Anwalt eines von seiner Tochter verprügelten kleinen Idioten angedroht hatte. Er hatte die Klage zwar verhindert durch Zahlung einer großzügigen Summe an die Familie des kleinen Idioten, aber Andromeda wurde allmählich zu teuer. Und ihr Gerechtigkeitssinn in allen Ehren, aber musste sie den Jungs immer gleich die Nase einschlagen? Das Kind schien wohl unbefriedigt zu sein.
Archibald war kein Heuchler wie gewisse andere Väter, die ihre fast erwachsenen Söhne in einen Puff schickten, damit sie dort die ‚Liebe’ kennen lernten, und die andererseits ihren fast erwachsenen Töchtern einen Keuschheitsgürtel anlegen wollten, nein, so einer war Archibald nicht. Er meinte allen Ernstes, wenn Andy mal so richtig guten Sex hätte, dann wären ihre Gelüste auf eingeschlagene Nasen vielleicht nicht mehr ganz so groß. Und diese seine Meinung teilte er seiner Tochter auch ganz unverblümt mit.
„Das hat doch gar nichts miteinander zu tun“, sagte Andromeda empört. „Also wirklich Daddy, du mit deinem zwanghaften Denken an Sex. Du bist nicht ganz normal!“
„Und du bist auch nicht ganz normal!“ konterte ihr Daddy.
„Ich höre mir das nicht mehr länger an“, Andromeda war wirklich wütend. „Ich gehe jetzt zu Max, der würde er mir nie so einen Quatsch erzählen.“
„Geh’ ruhig zu Max.“ Archie erhob seine Stimme ein wenig. In diesem Augenblick war er im Gegensatz zu sonst ein kleines bisschen eifersüchtig auf Max und sein gutes Verhältnis zu Andy, und er hatte das Bedürfnis, deswegen seine Tochter ein bisschen zu ärgern. „Meinst du, dein Max bleibt ewig hier? Neeiiin, bestimmt nicht! Irgendwann wird er heiraten und Kinder kriegen, und dann wird er woanders seinen eigenen Betrieb aufmachen.“
Andromeda war geschockt. Max gehörte so zu ihrem Leben, dass alleine die Vorstellung, er könnte eines Tages nicht mehr da sein, vollkommen absurd war. Vollkommen unvorstellbar war.
„Quatsch!“, giftete sie. „Max und heiraten! Er ist doch überhaupt nicht der Typ dazu!“
„Andromeda, ich bitte dich! Ist er schwul?“ Archie machte eine sehr effektvolle Pause, bevor er leicht ironisch weitersprach: „Oder ist er etwa impotent?“
Andromeda erinnerte sich sofort an einen gewissen Abend vor ein paar Jahren und musste sich selber zähneknirschend diese beiden Fragen verneinen. Automatisch schob sich dieses Bild vor ihre Augen, als er mit dieser fremden Frau in seinem Schlafzimmer DAS getan hatte... Aus ihr völlig unbekannten Gründen hatte sich dieses Bild in ihr Gehirn eingeätzt.
Sie schüttelte den Kopf, teils, um die Frage ihres Vaters nach Max’, oh Gott, Potenz zu verneinen und teils, um das Bild zu verscheuchen.
„Aber was soll er denn woanders?“ fragte sie schließlich, kleinlaut und nachdenklich geworden.
„Du bist wirklich naiv, mein Kind. Meinst du, Kampodia ist der Nabel der Welt?“ Die Stimme ihres Vaters klang nun ein wenig sarkastisch.
„Max wird nie von hier weggehen“, sagte Andromeda verzweifelt. Ihr Vater hatte etwas in ihr aufgeweckt, das sie gar nicht wissen wollte. Natürlich war das Verwalterhäuschen viel zu klein für eine Familie. Familie? Nein! Das war unvorstellbar. Max mit einer Frau, die immer um ihn herum wäre und eventuell mit Kindern? Er hätte dann bestimmt keine Zeit und kein Interesse mehr, sich um Andromeda zu kümmern.
Er könnte allerdings auch weggehen von Kampodia. Das wäre noch schlimmer.
Andy ist verunsichert. Sie hat sich noch nie die Frage gestellt, ob Max eines Tages heiraten wird, ob er Kinder haben wird und ob er hier auf dem Gut bleiben wird.
Alles war für sie selbstverständlich: Dass Max nicht heiraten wird, ja vielleicht hat er irgendwo Kinder, er hat mit verdammt vielen Frauen rumgemacht, so kam es ihr jedenfalls vor, aber andererseits ist er sehr vorsichtig – wieder erscheint das Bild von damals vor ihren Augen, und wieder schüttelt sie den Kopf, um es zu vertreiben.
Ihr Vater schaut sie an, als wäre sie nicht ganz gescheit.
Die Frauen, die waren nie sehr lange da, das war alles nichts ernstes, oder wird er doch irgendwann einmal... Aber er wird auf jeden Fall für immer hier in Kampodia bleiben. Alles andere ist für Andromeda nicht vorstellbar.
Alles andere ist absolut erschreckend. Das fühlt sie auf einmal so deutlich, dass sie nach Luft ringen muss. Sie muss mit ihm sprechen, ihn fragen, was er vorhat.
Und sie schämt sich, weil sie noch nie daran gedacht hat, dass er vielleicht irgendwann heiraten und Kinder haben will. Sie schämt sich, und außer der Scham ist da noch ein anderes Gefühl, sie kann es nicht benennen. Der Gedanke an eine zukünftige Frau Lakosta verstört sie und tut gleichzeitig auf seltsame unbekannte Art weh.
„Ich muss noch mal weg“, sie verabschiedet sich nicht von ihrem Vater, der ihr verwundert nachschaut, stürmt die Treppe hinunter und läuft über den Hof zu Max' Haus.

Die Lakostas waren Nachfahren ungarischer, böhmischer und rumänischer Einwanderer, und sie lebten traditionell in den ärmlichen kleinen Häusern des Unteren Dorfes.
Max war der uneheliche Sohn eines Frühsaisonarbeiters, wie Max' Mutter berichtete, es handelte sich um einen italienischstämmigen gut aussehenden Schurken, der sich am Ende der Saison im wahrsten Sinne des Wortes vom Acker gemacht und nie erfahren hatte, dass ein Sohn von ihm in Kampodia lebte.
Der kleine Max wuchs also vaterlos auf, erzogen wurde er von seinen älteren Vettern.
Der kleine Max war ein richtiger Rotzlöffel, prügelte sich laufend mit den größeren Jungens aus dem Dorf herum, ließ sich absolut nichts gefallen und war aufgrund seiner körperlichen Stärke auch für die größeren Jungens ein gefährlicher Gegner. Er war ein richtiger Tunichtgut, ging selten zur Schule, trieb sich mit seinen Vettern herum, bis er dann mit ungefähr fünfzehn Jahren den Dreh kriegte und sich selber aus dem Sumpf herauszog, in den er geraten war. Er fing an, wieder regelmäßig zur Schule zu gehen, wo er gewaltig viel aufzuholen hatte, und er fing an, neben der Schule Jobs zu haben, um mit dem Geld seine Mutter zu unterstützen. Seine Mutter hatte nämlich ziemlich große Opfer gebracht, damit Max aufs Gymnasium gehen konnte.
Archibald von Kampe, der sich immer schon einen Sohn gewünscht hatte, fand Gefallen an dem mittlerweile größeren Rotzlöffel und ließ ihn auf dem Gut in den Ställen arbeiten, wo er sich gewissenhaft und verantwortungsvoll zeigte. Archibald ermutigte ihn auch, Agronomie zu studieren, denn Max liebte das Land, er mochte die Städte nicht – im Gegensatz zu fast all seinen Altersgenossen in Kampodia, die es magisch in die großen Städte im weiteren Umkreis zog – und er wollte später irgendetwas mit Landwirtschaft machen. Max studierte im Ruhrgebiet Agrarwissenschaften mit dem Nebenfach Ökologie. Max wusste schon sehr früh, Anfang der 90er Jahre, dass in der deutschen und natürlich auch der europäischen Landwirtschaft nur nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten gehandelt wurde. Die meisten Anbauflächen waren mittlerweile so ausgelaugt, so bar jeder natürlichen Nährstoffe und Mikroorganismen und deswegen so stark überdüngt und außerdem übersättigt mit Pesti-, Fungi- und Herbiziden, dass die landwirtschaftlichen Produkte schon hart an der Grenze zur Gesundheitsschädlichkeit angelangt waren. Toten Boden wieder zum Leben zu erwecken, alternative Landbestellung, das wurde Max' Traum.
Er musste natürlich nebenbei arbeiteten, um das Studium finanzieren zu können. Am Anfang fuhr er Pizza aus, und irgendwann verschaffte ihm seine ruhige gelassene Art dann den Job im E-body.
In der Wintersaison spielte er unregelmäßig Eishockey, falls sein Job ihm Zeit dazu ließ (Wer das Schlittschuhfahren auf dem rauen Eis der Teiche in Kampodia erlernt hat, der ist darin unschlagbar), und der Verein, in dem er spielte war sehr interessiert an ihm. Aber er wollte kein Berufssportler werden, er wollte in Ruhe studieren, sich dann irgendwo niederlassen und das Leben führen, das ihm vorschwebte. Er ließ sich nicht von Archibald unterstützen, er bat ihn nur darum, ab und zu an den Wochenenden, wenn er seine Mutter besuchte – die übrigens mit 38 Jahren einen Witwer aus dem Oberen Dorf geheiratet hatte und mit ihm sehr glücklich war – auf dem Gut arbeiten zu dürfen. Was ihm Archie natürlich nicht verwehrte. Als Max einen ausgezeichneten Abschluss an der Universität machte, bekam er tatsächlich mehrere Arbeitsangebote von ländlichen Betrieben, die er im Laufe seines Praktikums kennen gelernt hatte. Aber er entschied sich dafür, für Archie zu arbeiten, und der überließ ihm die volle Verantwortung für das Gut. Max verwandelte das Gut in einen Reiterhof, züchtete Pferde, verkaufte sie mit Gewinn, verwandelte totes Land in lebendigen Boden, ließ die Gäste arbeiten – sie arbeiteten mit dem gleichen Eifer, mit dem Tom Sawyers Freunde einen Zaun anstrichen, den Tom eigentlich selbst hatte anstreichen sollen – und durch gutes Marketing verkaufte Max die ökologisch angebauten pflanzlichen Produkte mit enormen Gewinn, denn die so genannte Bio-Kost erfreute sich immer größerer Beliebtheit.
Natürlich war auch Andromeda ein Grund für Max, im Alter von fünfundzwanzig Jahren nach Kampodia zurückzukehren, denn er liebte dieses Kind und fühlte sich für sie verantwortlich.
Seine erste sexuelle Erfahrung machte der damals vierzehnjährige Max übrigens auf dem Heuboden in den Ställen des Campeschen Gutshofes, bevor ein Reiterstübchen daraus wurde, und zwar mit einem sechzehnjährigen Küchenmädchen. Das war ein Jahr, bevor seine schöne sechs Jahre ältere Kusine Zirza auf ihn aufmerksam wurde. Damals war sie frisch mit Archie verheiratet.

Max ist nicht im Häuschen. Aber er kommt gerade aus dem Stall und führt sein Pferd, den riesigen Mustang Zagato am Halfter. Zagato ist nicht gesattelt, er trägt auch keine Kandare. Max behauptet immer, die Trense wäre nicht gut für die Pferde, weil gerade unerfahrene Reiter zu hart damit umgehen, und außerdem wäre das Western-Reiten mit Kandare viel bequemer.
Sie geht langsam zu ihm hin. Er trägt eine blaue Latzhose, ein graues T-Shirt und derbe Arbeitsstiefel und sieht aus wie ein ganz normaler Farmer, allerdings wie ein besonders gut aussehender muskulöser großer schwarzhaariger Farmer... Wieso hat sie nie bemerkt, wie gut er aussieht?
„Ich schicke ihn in den Urlaub. Er hat ihn sich verdient, der alte Knabe“, sagt Max, als sie bei ihm angekommen ist. Max meint die Pferdeweide mitten im Wald, wo sie im Sommer nach und nach die Pferde hinbringen, damit sie sich dort austoben können, mitten in der Natur auf einer riesigen Weide, die so groß ist, dass man die Umzäunung gar nicht bemerkt. Es gibt dort eine Art offenen Stall, damit die Tiere bei Unwettern Unterschlupf finden können, und ab und zu bringt jemand vom Gutshof den Tieren Heu und Stroh. Für Wasser ist gesorgt. Ein kleiner Bachlauf befindet sich am Rand der Weide, es ist derselbe Bachlauf, der die Strulle im Dorf speist, also hat er hervorragendes Wasser. Zagato trägt keinen Sattel, weil Max den Sattel sonst den ganzen Weg zurückschleppen müsste.
„Ich muss mit dir sprechen“, sagt Andromeda und spürt einige Schweißperlen auf ihrer Stirn. Ist es heute wirklich so heiß oder schwitzt sie nur, weil sie sich so aufgewühlt fühlt? Alles an ihr fühlt sich feucht an, ihr nackter Bauch zwischen dem Top und ihren Bermudas, ihr Nacken, obwohl sie ihr üppiges Haar zu einem Pferdschwanz hochgebunden hat, und sogar ihre nackten Knie scheinen feucht zu sein.
„Dann komm’ mit. Wir laufen hin.“ Max lässt den Mustang los, und der trottet wie ein Hund hinter ihnen her.
Schweigend schlagen sie den Weg an der Kirche ein, der in den Wald führt und sonst nirgendwohin, denn hinter dem Wald bauen sich die Berge auf. Man erkennt die Gipfel der fünf Berge, die oben kahles Gestein zeigen und von denen der eine auf seiner rechten Seite so aussieht wie das Profil des Expräsidenten Richard Nixon.
„Wieso heißt der nicht Nixon, wenn er schon so aussieht?“ sagt Max endlich, um das Schweigen zu brechen. „Nein, stattdessen heißt er Eberstein, ein wirklich nichtssagender Name für einen Berg...“
„Jaaa... Obwohl Eberstein auch recht hübsch ist...“, Andy ist nicht ganz bei der Sache. Sie weiß nicht, wie sie anfangen soll und denkt dann, ach was soll’s, ich frag ihn einfach.
„Max, sag’ mal, willst du eigentlich Kinder haben?“
„Also wirklich, Andy“, Max muss lachen. „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“
„Ehrlich nicht? Und willst du vielleicht irgendwann einmal heiraten?“ Andromeda spürt, wie ihr wieder der Schweiß ausbricht, es ist wirklich fürchterlich heiß heute, es geht kein Windhauch, aber das liegt wahrscheinlich an dem dichten Fichtenwald, durch den sie gerade laufen. Sie gehen über einen schmalen ausgewaschenen Waldweg, und die hohen Nadelbäume reichen bis an ihn heran. Der dichte Nadelteppich im Wald dämpft alle Geräusche, und man hört auch keinen einzigen Vogel singen. Klar, denkt Andy, im Fichtenwald gibt es keine Vögel. Und hoffentlich auch keine wilden Eber...
„Was ist los mit dir, Andy? Also, übers Heiraten habe ich mir auch noch keine Gedanken gemacht.“ Max lacht wieder. „Und du weißt doch, wem mein Herz gehört.“ Das ist ein uralter Scherz zwischen ihnen. Andy hat als Kind einmal gesagt, sie wollte ihn heiraten, wenn sie einmal groß wäre, und Max hat daraufhin gesagt, dass er zu dieser Zeit ganz bestimmt schon ein alter Sack wäre, aber dass er sie trotzdem lieb hätte.
Hat er sie immer noch lieb, oder hat er das mit dem Liebhaben nur gesagt, um die damals achtjährige Andy ruhig zu stellen? Andromeda fühlt sich unbehaglich, sie fängt an, auf dem holprigen Waldweg zu stolpern und meint, ein fernes Knurren gehört zu haben. Sie hofft, es wäre ihr Magen gewesen.
„Was ist denn?“ sagt Max besorgt und greift nach ihr, um sie am Stolpern zu hindern.
Andromeda hält sich an seiner Hand fest. Sie ist verunsichert, sie meint, eine Veränderung im Wetter festzustellen. Und sie hat Recht, sie fühlt sich unbehaglich, weil der Luftdruck innerhalb kürzester Zeit rapide gefallen ist, und dieses Ereignis kündet meistens ein heftiges Gewitter an.
Ein Gewitter ist das Allerletzte, was sie jetzt erleben will. Beim letzten Gewitter ist sie dermaßen in Panik geraten, dass sie fast die Kontrolle über sich selbst verloren hat. Und dabei war sie in ihrem Zimmer und hatte die Bettdecke über sich gezogen...
„Es ist nicht mehr weit bis zur Weide, wir können uns da gut unterstellen.“ sagt Max ruhig, denn er will Andromeda nicht noch mehr beunruhigen. Mittlerweile ist es ihm klar, dass da ein Unwetter im Anzug ist, und zwar keins von schlechten Eltern. Sie haben das Wetterleuchten nicht gesehen, das Gewitter kam von hinten, jetzt sitzt es vor den hohen Bergen fest, und mittlerweile zuckt und blitzt es am Himmel, dass es wie ein gefährliches Feuerwerk aussieht.
Sie hören Zagato wiehern, der Mustang bäumt sich auf, macht eine Kehrtwendung und galoppiert davon in Richtung Gutshof. Max lässt ihn laufen, zum einem, weil er nichts machen kann, zum anderen, weil Zagato den Weg nach Hause von alleine finden wird.
Ein erster kräftiger Donner ertönt. Ein sehr lauter Donner. Und er ist nur die Vorhut von weiteren...

Und sie hört das Laute, das fürchterlich knallt und vor dem sie fürchterliche Angst hat. Und sie sieht die grellen Lichter, die nach dem Lauten kommen. Immer abwechselnd geschieht das, ein grelles Licht, so dass sie vor Angst die Augen zukneift und kurz darauf ein gewaltiges Krachen, gegen das sie nichts machen kann, denn sie ist ja noch ein Baby, das zwar ein bisschen laufen oder vielmehr stolpern kann, aber dass man sich die Ohren zuhalten kann – was sind Ohren – davon weiß sie nichts.

Andromeda versucht, nach links in den Wald zu laufen, um vor den grellen Blitzen zu fliehen und um den Donner nicht mehr hören zu müssen.
„Verdammt noch mal, Andy. Wo willst du hin?“ Max läuft ihr hinterher und hält sie fest, aber sie reißt sich los.
Es fängt urplötzlich an zu regnen, als ob der Himmel alle Schleusen geöffnet hätte. Es ist ein fürchterliches Chaos von Blitzen, von Donnerschlägen... Und dann rauscht ein sintflutartiger Niederschlag vom Himmel herunter, dass es nur so prasselt.

Dann kommt das Nasse von oben und saugt sich in ihren Sachen fest, und dann kommt das Kalte, das sie zum Zittern bringt.

Andromeda wirft sich auf den weichen nadelbedeckten Waldboden und versucht, sich in den dichten Nadelteppich einzugraben.

Sie findet schließlich in einem Haufen Laub Zuflucht, das Laub erinnert sie wohl an die Decke, die sie zu Hause in ihrem Kinderbett hat, und sie gräbt sich instinktiv darin ein. Das Kalte und das Nasse verdrängen ein wenig die Schmerzen in ihren Wunden, die von dem Tier und von dem starren borstigen Unterholz stammen, in das sie gekrochen ist, um instinktiv Schutz zu suchen.
Es dauert Ewigkeiten, das Kalte, das Nasse, die Schmerzen, bis sie schließlich nur noch leise vor sich hinwimmert und auf irgend jemanden wartet, der sie von diesen Sachen erlösen wird. Aber es kommt niemand.
Dann auf einmal gibt es eine Änderung.
Jemand berührt sie, und wieder hat sie Angst, es wäre das große Tier, das ihr schon einmal Schmerzen zugefügt hat.
Aber es ist nicht das große Tier.

Es ist Max, und er ist warm und sicher, und sie schlingt ihre Arme um ihn, weil er so warm und sicher ist.
Schlagartig hört sie den Donner nur noch gedämpft, und auch die Blitze haben ihren gleißenden Schrecken verloren.
Sie legt ihren Kopf an Max’ Brust, und Max hält sie in seinen Armen, und sie ist getröstet. Der strömende Regen verwandelt sich automatisch in eine erfrischende Dusche nach einem heißen Tag.
Und alles ist gut.
Das Gefühl der Beruhigung hält allerdings nicht lange vor und macht auf einmal einem anderen völlig unerwarteten Gefühl Platz. Einem erregenden Gefühl, einem aufwühlenden Gefühl.
Sie legt ihre Arme um Max Hals und fängt an, Max zu küssen.
Max ist zuerst verwirrt, dann jedoch kann er ihr nicht widerstehen, er liebt sie schließlich, und das Gefühl, sie so eng in seinen Armen zu halten, überwältigt ihn, obwohl er weiß, dass daraus nicht Gutes entstehen kann.
Sie küssen sich hungrig wie Besessene, und das sind sie wohl auch, sie erforschen sich mit ihren Zungen, mit ihren Händen, liebkosen sich wie von Sinnen.
Sie liegen eine Ewigkeit auf dem Nadelteppich unter den Tannen, küssen sich und spüren einander. Sie versuchen, so nahe wie möglich beieinander zu sein. Sie schauen sich an, als hätten sie sich noch nie gesehen, berühren sich fassungslos, küssen sich immer wieder... Es ist wie ein endloser Reigen von wilden innigen Zärtlichkeiten.
Das Gewitter hat sich mittlerweile entfernt, und der Regen ist wirklich nur noch eine erfrischende Dusche nach einem heißen Tag.
Max ist nach diesen ewigen Minuten derjenige, der sich als erster zurückzieht.
„Max?“ Andromeda verspürt einen schmerzlichen Verlust. Warum zieht er sich zurück? Warum? Sie kann es kaum ertragen, ihn nicht mehr zu spüren. Gerade ist sie dabei gewesen, sich ihm hinzugeben, ohne nach irgendetwas zu fragen und dann... Was zum Teufel ist los mit ihm? Warum steht er auf und lässt sie allein?
„Ich hätte das nicht tun dürfen“, sagt Max verlegen.
„Warum nicht?“ Auch Andromeda erhebt sich langsam.
„Es ist nicht gut für dich. Du bist noch zu jung.“ Max’ Antwort auf ihre Frage klingt schal und beschissen wie die Antwort von Erwachsenen auf die Fragen von Kindern.
„Warum nicht?“ Andromeda lässt nicht locker. Sie hat etwas in ihm gespürt, das er mit seinen dämlichen Erwachsenenphrasen nicht verleugnen kann. Also, warum zum Teufel will er alles verleugnen, was gerade passiert ist?
„Andy, du weißt doch, du bist mein Mädchen. Aber du bist noch viel zu jung dafür. Also lass uns das vergessen.“
„Dein Mädchen bin ich also? Warum erzählst du dann so einen Mist?“ Sie ergreift seine Hand und streichelte sie.
„Wir sollten jetzt nach Hause gehen“, sagt er streng, lässt aber zu, dass sie weiter seine Hand streichelt und dann wie früher, als sie noch ein kleines Mädchen war, ihre Handfläche unter seine schiebt. Als Zeichen des Vertrauens, und instinktiv weiß sie, dass ihm das gefallen wird.
Er spürt ihre Handfläche unter seiner Hand, und ihre Berührung fühlt sich so ... ja so ergeben an, dass ihm die Augen feucht werden.
Oh Gott, er liebt sie. Es darf nicht sein, aber was soll er dagegen machen. Dieser endlose Kuss hat Wünsche in ihm aufgeweckt, die er bisher verleugnet hat, sie ist das süßeste Geschöpf dieser Erde, und wenn sie auch nur ahnen würde, was sie ihm bedeutet... Nein, sie darf es nicht ahnen.

Die Blitze und der Donner hatten sich entfernt, und regnete nicht mehr, als beide den Waldweg in Richtung Gut zurückgingen. Sie hatten sich bei den Händen gefasst, sie sahen beide aus, als hätten sie sich zuerst im Dreck und dann im Schlamm gewälzt, sie sahen beide aus, als hätten sie eine hitzige Liebesnacht miteinander verbracht, aber sie hatten sich doch nur geküsst, und für Andromeda hatte sich auch nur ihr Leben verändert.
Max, er war es! Nur Max konnte ihre Ängste besänftigen, nur Max war es, der ihre Erregung anfeuern konnte, nur Max war es. Nur er...
Als sie nach einer Viertelstunde die Kirche und kurz darauf den Gutshof erreichten, hielten sie sich immer noch an den Händen.
„Ich komm’ nachher bei dir vorbei“, sagte Andromeda zu Max, löste ihre Hand aus seiner und ging beschwingt in Richtung Herrenhaus.
Max sah ihr sehnsüchtig nach und dachte: Jetzt ist es passiert, der Anfang vom Ende, aber es ist schön, es ist so verdammt schön. Sie ist so schön, so gut... Was zum Teufel soll ich nur machen?

Ende KAPITEL V - Teil 1


AVAAZ.org-Die Welt in Aktion Wasser… Noch ein geheimes Abkommen: TISA stoppen!

Kleinigkeiten
ZEICHNENSTUNDE... ;-)


K.O.M.M.E.N.T.A.R.E

Verzapftes:

Wie sagte schon Kant.
dass nur der freie Wille ein guter Wille sein kann. Ja...
Iggy - 7. Jun, 16:58
Diese Reize erwarten...
Diese Reize erwarten uns überall. Ich muss mich...
Moonbrother - 31. Mai, 02:22
Von wegen der 76 ...
Einfach mal umdrehen, datt is auch schon ätzend....
Iggy - 14. Feb, 17:22
dieses "Märchen"
Des Kaisers neue Worte... das hat was!! Habs gleich...
herbstfrau - 11. Feb, 19:48
drei Eisbären im...
waren's dann wohl. Weiße Schrift auf weißem...
iggy (Gast) - 9. Feb, 16:51
bitte mal reingucken..
bei mir. Iggy sagt- sie sieht keine Schrift bei mir...
herbstfrau - 9. Feb, 15:11
nee jetzt
76?? wenns kein Witz war, dann freut`s mich irgendwie. "header...
herbstfrau - 6. Feb, 12:02
kein Politiker
und das ist das Problem..
herbstfrau - 6. Feb, 11:58

Suche

 

Andere:






Dort gibt es (natürliche kostenlose) Bücher von mir:




Counter

Mal was anderes...

Ausschnitt aus LOVE GAMES

Blau-weiß-rot...
Der Kleine trägt ein blau-weiß-rot gestreiftes Hemd, und das Muster kommt mir seltsam bekannt vor. Ich hatte mal ein Kleid, das war genauso gestreift wie dieses Hemd, und da war ich ungefähr genauso alt wie dieser Junge.
Blau-weiß-rot...
Es war in meinem Heimatdorf. Ich war in den Ferien mit meinen Eltern dort. Es wurde gerade Schützenfest gefeiert, und ich saß ausnahmsweise nicht auf einem dieser hin und her schwingenden weißen Karussellpferdchen, sondern in der sogenannten Kaffeemühle, einem runden Ding, bei dem sich in der Mitte eine Stange befand, und damit konnte man die Kaffeemühle zum Drehen bringen.
Raatttsch!!! Mein Kleid hatte sich irgendwo verfangen, es gab ein hässliches Geräusch, als etwas riss, und ich war zu Tode erschrocken. Meine Mutter würde mich umbringen.
Vorsichtig schaute ich an mir herunter, ich hatte Glück gehabt, nicht der Stoff selber war zerrissen, sondern nur eine Naht war aufgeplatzt auf circa fünfzehn Zentimetern Länge.
Sie würde mich trotzdem umbringen. Was sollte ich tun?
Ich schlich mich heimlich zum Haus meiner Oma, die nicht mit zum Schützenfest gegangen war. Ich suchte nach Nähzeug, wurde fündig in einem alten Nähkästchen, schloss mich im Klo ein, zog mein Kleid aus und nähte es. Ich nähte die aufgeplatzte Naht wahrscheinlich ziemlich plump und stümperhaft, aber ich nähte sie so, dass niemand etwas merkte. Sogar meine Mutter, deren scharfe Augen ich fürchtete, entdeckte nicht, dass ich sie reingelegt hatte. Irgendwann beim Waschen des Kleides sagte meine Tante zu meiner Mutter, dass die Sachen heutzutage sehr schlecht genäht wären, aber meine Mutter brachte das nicht mit mir in Zusammenhang. Ich hatte Glück gehabt...
Blau-weiß-rot...
Wieso habe ich gerade diese Szene im Sinn, als ich meine Mutter reingelegt hatte und nicht die vielen anderen, wo ich sie nicht reinlegen konnte?

TOPP, die WETTE... mutiert allmählich zum Roman.
Ausschnitt aus TOPP, wie es begann 3:

Chris auf IBIZA...
Die Mädels lächelten ihn an, und er lächelte zurück. Bis jetzt hatte er sich nicht groß um die anderen Urlauber gekümmert, er wollte einfach nur allein sein. Er wusste nicht warum, aber er konnte sich zur Zeit nicht auf andere Menschen konzentrieren. Und das nur, weil ihm diese Irma im Kopf herumspukte.
Aber damit war jetzt Schluss! Endgültig! Die Mädels machten nämlich einen viel versprechenden Eindruck. Vielleicht mal einen flotten Dreier versuchen? Sie sahen zwar nicht interessant aus – das war ihm im Moment sowieso egal – aber sie waren wirklich hübsch, die eine blond und vollbusig, die andere schlank, dunkelhaarig und nicht so üppg wie ihre blonde Freundin. Irgendwie hatte die Dunkelhaarige ein bisschen Ähnlichkeit mit Irma.
Oh nein, NICHT SCHON WIEDER DIE! Es reichte!
Chris riss sich zusammen. Sein Lächeln wurde automatisch eine Spur freundlicher, er beugte sich zum Nachbartisch herüber und sagte in dem gewinnenden Tonfall, den er perfekt beherrschte: „Na Mädels, habt ihr Lust, gleich was mit mir zu unternehmen?“
Die Mädels gackerten ein bisschen und zierten sich nach Weiberart, aber natürlich waren sie einverstanden. Wäre ja noch schöner, wenn seine Masche nicht mehr ziehen würde. Bis jetzt hatte er noch jede Frau gekriegt, die er haben wollte, wenn auch auf Umwegen wie bei der verdammten Irma.
Eine halbe Stunde später verließ Chris mit seinen Eroberungen das Strandcafé. Eine wirklich tolle Nacht stand ihm bevor. Er lächelte siegesbewusst und ein bisschen hämisch in sich hinein und dachte: Das hast du jetzt davon, Irma, du blödes sprödes Weib! Ich werde mich heute mal richtig amüsieren, und danach bist du Legende!

Alle Irma-Chris-Stories sind übrigens H I E R

Holidays in Kampodia

ALLES FERTIG!
KAPITEL X - Ausschnitt:
Glaubsalz Version 17* abgekürzt auch GS17 genannt, ist eine neue revolutionäre Substanz, die es ermöglicht, Menschen auch gegen ihre ursprüngliche Meinung dauerhaft von einem anderen Glauben zu überzeugen.
Im Augenblick besitzt das GS17 noch eine Halbwertszeit von vier Jahren. Das bedeutet, dass sich nach vier Jahren die Hälfte des GS17 zersetzt hat und die verbliebene Hälfte nur noch eingeschränkt auf den Probanden einwirkt. Man arbeitet aber an einer gesteuerten Halbwertszeit des GS17.
Gedanken darüber, wie man eine breitere Öffentlichkeit mit dem GS17 erreichen kann, werden zur Zeit erörtert und diskutiert von einem wissenschaftlichen Expertenteam. Man denkt zum Beispiel an die Verbreitung des GS17 im Trinkwasser, um danach durch gezielte unterschwellige Werbung im TV die bestmöglichste und effektivste Wirkung zu erreichen.
Anwendungsbereiche: Im politischen, geschäftlichen, sowie auch im privaten Bereich.
Nebenwirkungen: Keine
Nachteile: Gewisse Kältegrade können die komplizierte molekulare Struktur des GS17 zerstören. Diese Gefahr kann aber vernachlässigt werden, weil die Überlebenschancen gering sind (eintretender Tod oder Fehlfunktion = 80%).
Fazit: GS17 wird kontinuierlich weiterentwickelt, zumal ein großer Bedarf danach besteht (Beispiel: Präsidentschafts- oder sonstige politische Wahlen)
Ein weiterer Bedarf besteht auch bei den großen Kirchen in diesen Zeiten der schwindenden Gläubigen. Der Vatikan hat schon großes Interesse signalisiert.
Unsere Geschäftspolitik ist erfolgreich, und unsere Devise hat sich bestätigt: Nur wer‘s glaubt, ist selig...
*Es besteht keine Ähnlichkeit mit dem harmlosen Abführmittel Glaubersalz.
(Auszug aus einem hochgeheimen Bulletin der FIRMA)

Fortsetzung folgt, aber nicht mehr in diesem Theater, sondern dort:
Was geschah und geschehen wird und fertig ist...

Recent Visitors... ist leider übern Jordan gegangen. Schade drum, es war schön zu sehen, wie die Welt bei mir vorbei schaute...